{"id":110,"date":"2018-11-16T17:22:21","date_gmt":"2018-11-16T16:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/revolution-in-bremen.de\/?page_id=110"},"modified":"2018-11-19T11:56:32","modified_gmt":"2018-11-19T10:56:32","slug":"reden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/revolution-in-bremen.de\/?page_id=110","title":{"rendered":"Reden"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"#rosenberger\">Gerd-Rolf Rosenberger, DKP, Nordbremer B\u00fcrger gegen den Krieg<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#tegeler\">Maja Tegeler, DIE LINKE, Bremer Volksbegehren f\u00fcr mehr Krankenhauspersonal<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#rave\">Sebastian Rave, DIE LINKE, SAV<\/a><\/p>\n\n\n\n<a href=\"#bernhard\">Claudia Bernhard, B\u00fcrgerschaftsfraktion DIE LINKE<\/a>\n\n\n\n<p><a href=\"#schneider\">Dr. Ulrich Schneider, Generalsekret\u00e4r der F\u00e9d\u00e9ration Internationale des R\u00e9sistants (Internationale F\u00f6deration der Widerstandsk\u00e4mpfer)<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"rosenberger\">Gerd Rolf Rosenberger: Verflucht sei der Krieg!<\/h2>\n\n\n\n<p>\nGenossinnen, FreundInnen,\nPeter Kuckuk, \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nMein Gro\u00dfvater\nm\u00fctterlicherseits, \u00fcberlebte das f\u00fcrchterliche  Kriegsgemetzel von\n1914- 1918 nicht.  Opa Bielawski fiel 1915.  Als alter nur\nBlumenthaler seit  6 7  Jahren,  erlebte ich keinen aus der\nGeneration der zwischen 1 8 8 5 \u2013 1 8 9 9  Geborenen,  die mit\nHurra-Patriotismus in den 1. Weltkrieg zogen.  Leo Drabent, den die\nNazis 1944 im Zuchthaus k\u00f6pften,  wollte 1 9 1 7  nicht in den Krieg\nziehen, versuchte sich selbst zu verst\u00fcmmeln. Man zog ihn trotz dem\nund er kam schwer verwundet wieder nach Blumenthal zur\u00fcck.  Als 1 9\nJ\u00e4hriger h\u00f6rte er seinen Genossen Peter Diete, aktiver K\u00e4mpfer f\u00fcr\ndie Bremer R\u00e4terepublik  was Karl Liebknecht am 9. November 1918  \nden Arbeitern und Soldaten,  zu sagen hatte:<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDer Tag der Revolution ist\ngekommen. Wir haben den Frieden erzwungen. Der Friede ist in diesem\nAugenblick geschlossen.  Das V\u00f6lkerschlachten hat endlich ein Ende.\u201c\n \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilanz des imperialistischen Eroberungskrieges h\u00e4tte die gro\u00dfe Mehrheit der Deutschen, zu einem Schluss f\u00fchren m\u00fcssen, der sich in zwei Worten sagen lie\u00df:\u201c N I E&nbsp; W I E D E R !!\u201c Doch etablierte sich schon sehr bald gegen die Kriegsgegner, KommunistInnen, SozialistInnen, GewerkschafterInnen, eine reaktion\u00e4re, faschistoide, militaristische Str\u00f6mung, die sich als die st\u00e4rkere erwies. Kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges gr\u00fcndeten sich Traditionsverb\u00e4nde der Soldaten und Offiziere, pflegten die Erinnerung an den grausamen 1. Weltkrieg. BIS ZUM HEUTIGEN TAGE 1 0 0 JAHRE SP\u00c4TER wird weiterhin in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen an die Kriegstoten erinnert. Kaum eine Stadt ohne ein Kriegerdenkmal, kaum eine Kirche ohne eine Gedenktafel. Kaum ein Friedhof ohne Gedenkstein f\u00fcr Volk und Vaterland.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber eines der Denkm\u00e4ler f\u00e4llt aus dem \u00fcblichen Gedenken ganz heraus. Es befindet sich in einer franz\u00f6sischen Gemeinde und zeigt die lebensgro\u00dfe Figur eines Bauernjungen, eines Kriegswaisen, der auf eine Tafel mit den Namen der M\u00e4nner jenes Ortes verweist, die im Krieg umkamen, und auf die darunter stehende Inschrift die Anklage: VERFLUCHT SEI DER KRIEG!!!<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie heute Abend hier stehen,\nwissen, dass nicht erst mit der Macht\u00fcbertragung an die Nazis am 3\n0. Januar 1 9 3 3,  der Tod zur Staatsdoktrin in Deutschland erhoben\nwurde.  Die Anf\u00e4nge hierf\u00fcr liegen weit fr\u00fcher. Es waren die\nlangj\u00e4hrigen Zuchthausstrafen von Rosa und Karl in den Jahren 1914\nund 1916,  die Sch\u00fcsse, die Albin K\u00f6bis und Max Reichpietsch, die\nrevolution\u00e4ren Matrosen 1917, Karl, Rosa, Leo Jogiches,  Eugen\nLevine meuchelten.  Die Januar Aufst\u00e4nde 1919, die M\u00e4rzaufst\u00e4nde\n1919 in Berlin, die R\u00e4terepubliken in M\u00fcnchen und in Bremen sind\njene schauerlichen Z\u00fcge von Tausenden Toten und Gemordeten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n  UND DEUTSCHLAND HEUTE ???<\/p>\n\n\n\n<p>Es ging in keinem offiziellen Gedenken, in keiner medialen Aufbereitung um die historische Wahrheit der Hauptverantwortung f\u00fcr das \u00fcber vier Jahre andauernde V\u00f6lkergemetzel vor 1 0 0 Jahren. Der deutsche Imperialismus und seine Verw\u00fcstungen waren kein Thema. Wir erleben, wie GEDENKEN einen neuen Schub kriegt zur theoretischen und politischen Legitimierung gegenw\u00e4rtiger imperialistischer, kapitalistischer Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie  herrschenden Politiker\nmit ihren  Eroberungskriegen, Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte,\nmassiven Sozialabbau und Verarmung von immer mehr Menschen stehen\nihren Vorg\u00e4ngern von vor  1 0 0 Jahren kaum etwas nach.  Nach einem\nnoch f\u00fcrchterlicheren 2. Weltkrieg, dessen Keim im ersten\nV\u00f6lkerschlachten lag, forderten imperialistische Abenteuer weitere\nviele Millionen Opfer.   Hiroshima-Nagasaki, Korea, Vietnam,\nAlgerien, Indonesien, Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Kongo, Libyen,\nPal\u00e4stina, Syrien, Jemen, Mali.<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eDividenden steigen, wenn\nMenschen fallen\u201c , sagte  Rosa Luxemburg;  Friedrich Engels sagte \nden 1. Weltkrieg schon   1887 voraus.  Schlie\u00dfen wir mit einem Zitat\nvon Karl Liebknecht, dass heute genauso aktuell ist:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eES LEBE DIE BEFREIUNG DER ARBEITER ALLER L\u00c4NDER VON DER H\u00d6LLE DES KRIEGES, DER AUSBEUTUNG UND DER SKLAVEREI!!<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"tegeler\">Maja Tegeler: Frauenk\u00e4mpfe vor 100 Jahren, Care-Revolution heute<\/h2>\n\n\n\n<p>Liebe\nAnwesende,<\/p>\n\n\n\n<p>wir\nsind heute hier unterwegs, um dem Beginn der Bremer R\u00e4terepublik vor\ngenau 100 Jahren am 15.11.1918 zu gedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Voran\ngegangen waren 4 Jahre imperialistischer Weltkrieg, also Elend und\nTod f\u00fcr Soldaten und Zivilbev\u00f6lkerung, hier in Bremen und halb\nEuropa.<\/p>\n\n\n\n<p>Voran\ngegangen waren auch Jahrzehnte sozialistischer Frauenbewegung mit\nklaren Forderungen nach rechtlicher und sozialer Gleichstellung.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Viele\nFrauen mussten in der R\u00fcstungsproduktion t\u00e4tig sein und wurden\nzudem von den Herrschenden gedr\u00e4ngt, so genannte \u201eLiebesgaben\u201c\nzB in Form von Kleidung und Lebensmitteln f\u00fcr die Soldaten an der\nFront zu sammeln \u2013 oft mit Kindern auf sich allein gestellt und von\nHunger bedroht.\nIm so genannten Steckr\u00fcbenwinter 1916\/17 kam es zu\nHungerdemonstrationen, unter anderem organisiert von Anna P\u00f6hland,\ndie schon vor dem Krieg in der Dienstm\u00e4dchenbewegung aktiv war und\nsich den Bremer Linksradikalen anschloss, bevor sie kurz nach der\nNiederschlagung der Bremer R\u00e4terepublik mit nicht mal 45 Jahren\nstarb.<\/p>\n\n\n\n<p>Elise\nKesselbeck war ebenfalls in der Dienstm\u00e4dchen-bewegung und bei den\nBremer Linksradikalen aktiv, k\u00e4mpfte f\u00fcr eine Gleichstellung der\nFrauen bei den Arbeitseinkommen und der Erwerbslosenf\u00fcrsorge und die\nErh\u00f6hung der Versorgungss\u00e4tze der &#8222;Kriegerfrauen\u201c &#8211; und\ngegen den \u00a7218.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nder Frauenversammlung am 10.11.1918, bei der es um das\nFrauenwahlrecht f\u00fcr die B\u00fcrgerschaft ging, war sie als eine von nur\n3 Frauen im Arbeiter- und Soldatenrat anwesend, neben Gesine Becker\nund K\u00e4te Ahrens. K\u00e4te Ahrens begr\u00fcndete auf dieser Versammlung die\nNotwendigkeit des Frauenwahlrechts wie folgt: &#8222;Der revolution\u00e4re\nUmw\u00e4lzungsprozess ist nicht von selbst gekommen, wir Linksradikalen\nund die Unabh\u00e4ngigen haben auf ungesetzlichem Wege durch Flugbl\u00e4tter\nusw. t\u00fcchtig vorgearbeitet. Wir wollen jetzt nicht mehr fordern, wir\nwollen dekretieren, die Gesellschaft kann keinen Tag ohne\nFrauenarbeit existieren!&#8220; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe\nAnwesende, dies gilt definitiv auch heute, nicht wenige der aktuellen\nK\u00e4mpfe \u00e4hneln denen von 1918.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nimmer k\u00e4mpfen Frauen f\u00fcr die Abschaffung von \u00a7218 und 219a, f\u00fcr\nSelbstbestimmung ihrer K\u00f6rper. Viel zu viele alleinerziehende\nFrauen, auch hier in Bremen, m\u00fcssen von Sozialleistungen, also am\nRande des Existenzminimums leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Pflege-\nund Sorgearbeit wird noch immer \u00fcberwiegend von Frauen* geleistet\nund wird gesellschaftlich zu wenig anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der station\u00e4ren Pflege in den Bremer Krankenh\u00e4usern arbeiten \u00fcberwiegend Frauen unter unw\u00fcrdigen Arbeitsbedingungen. Es gibt schlicht zu wenig Personal, nach Berechnungen von ver.di fehlen mindestens 1600 Pflegekr\u00e4fte. Wir vom Bremer B\u00fcndnis f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus haben daher k\u00fcrzlich ein Volksbegehren gestartet. Die Ausstattung in der Pflege darf sich nicht an den Profiten privater oder halb\u00f6ffentlicher Krankenh\u00e4user  orientieren,sondern an den Bedarfen der Patient*innen.  <a href=\"https:\/\/volksbegehren-krankenhauspersonal-bremen.de\/\">Unterzeichnet das Volksbegehren, k\u00e4mpft mit uns.<\/a> Lasst uns gemeinsam diskutieren, wie die soziale und politische Situation von Frauen* auch hier in&nbsp; Bremen verbessert werden kann. Ohne echte Gleichstellung aller Geschlechter, ohne \u00dcberwindung starrer Geschlechterrollen  kein gesellschaftlicher Fortschritt. F\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr Alle, f\u00fcr  eine \u2013 auch feministische \u2013 Revolution!<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"rave\"> Sebastian Rave: R\u00e4terepublik und die Macht der Banken<\/h2>\n\n\n\n<p>Liebe\nFreundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Genossinnen und\nGenossen,<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nR\u00e4terepublik vor 100 Jahren wurde finanziell erdrosselt, bevor sie\nnoch milit\u00e4risch zerschlagen wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nBanken weigerten sich, der revolution\u00e4ren Regierung Kredite zu\ngeben, die sie brauchten, um die staatlichen Ausgaben zu decken. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nRat der Volksbeauftragten wurde erpresst, allgemeine Wahlen\ndurchzuf\u00fchren, bei denen auch die eigentlich entmachtete Bourgeoisie\nmitw\u00e4hlen durfte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\npolitische Macht der Banken war damals enorm gewachsen. Es hatte eine\nenorme Konzentration gegeben. Hatten 6  Berliner Gro\u00dfbanken 1895\nnoch 16 Niederlassungen in Deutschland, waren es 1911 bereits 104.\nDie Einlagen, also das, was die Kunden eingezahlt hatten, waren\ninnerhalb weniger Jahrzehnten vor dem Krieg explodiert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Viele\nkleine, mittlere und gro\u00dfe Unternehmer verzinsen ihr Geld bei der\nBank. Die Bank \u201earbeitet\u201c mit dem Geld, also investiert und\nspekuliert, grenz\u00fcberschreitend, weltweit, es entstehen Bankkartelle\nund Monopole. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile\nsind es die Schattenbanken, die am schnellsten wachsen. Hedgefonds,\nPrivate-Equity-Fonds usw. haben ein Volumen von 80 Billionen Dollar. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzkapital ist heute vier mal so gro\u00df wie das Weltsozialprodukt. In Sekundenschnelle rast es um die Erde und wird durch jede gewonnene Spekulation nur noch hungriger.<\/p>\n\n\n\n<p>Konnten\ndamals die Banken noch die kleine Bremer R\u00e4terepublik erpressen,\nerpressen sie heute ganze Staaten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sie\nschreiben ihre Gesetze, sie diktieren Politik, und wenn sie sich\nverzocken, muss der Staat Milliarden von Steuergeldern aufbringen,\nweil der Zusammenbruch einer Gro\u00dfbank das ganze kapitalistische\nKartenhaus zusammenkrachen lassen w\u00fcrde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nBankkapital wird zum Schmiermittel der Weltwirtschaft, und alles ist\ndavon abh\u00e4ngig. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nBankkredit ist die Droge, die der Kapitalismus zum \u00dcberleben\nbraucht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Den\nBoom gibt es nur dank g\u00fcnstiger Kredite, und bei einer Krise gibt es\nErholung auf Pump. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verschuldung von Firmen, Privaten und \u00f6ffentlicher Hand liegt bei 217.000 Milliarden Dollar. Das ist das dreifache des Weltsozialprodukts! \u00dcbrigens war es vor der letzten Krise nur das doppelte. <\/p>\n\n\n\n<p>Marx schreibt im Manifest, wie die Bourgeoisie Krisen l\u00f6st: &#8222;<em>Dadurch,da\u00df sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Krise des Kapitalismus geht einher mit einer Krise der b\u00fcrgerlichen Demokratie. <\/p>\n\n\n\n<p>Protektionismus\nund Nationalismus nehmen zu und helfen eben so wenig wie Freihandel\nund Globalisierung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Billiges\nGeld hilft genau so wenig wie billiges \u00d6l. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nPolitik ist genauso ratlos wie der Rat der Volksbeauftragten vor 100\nJahren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nBremen haben sie sich eine Schuldenbremse in die Verfassung\ngeschrieben, obwohl sie das Geld brauchen f\u00fcr Schulen, Kitas,\nKrankenh\u00e4user, den \u00f6ffentlichen Personennahverkehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nR\u00e4teregierung wurde von den Banken erdrosselt. Der Senat erdrosselt\nsich selbst. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nhelfen gerne nach!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nLinke Regierung sollte die Schuldenbremse nat\u00fcrlich nicht\nanerkennen. In den 80ern war in Liverpool eine Linke Regierung an der\nMacht, die einen Illegalen Haushalt aufgestellt hat. Ihr Motto war:\nLieber das Gesetz brechen, als das R\u00fcckgrat der Armen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nwollen wir mehr Schulden? Nat\u00fcrlich nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>650\nMillionen Euro zahlt Bremen an Zinsen jedes Jahr! Das ist eine\ngewaltige Umverteilung von unten nach oben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Geld,\ndas ausgegeben wurde, um Krisen auszugleichen, geh\u00f6rt eigentlich der\nGesellschaft, die diese Werte durch ihre Arbeit erst geschaffen\nhaben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Also\nlos, legen wir uns mit den Banken an, und widersprechen ihren\nSchuldscheinen!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nunser Ziel ist nicht eine andere Haushaltspolitik. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unser\nZiel ist, die Macht der Banken und Konzerne zu brechen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nReichtum der Gesellschaft geh\u00f6rt in die H\u00e4nde der Gesellschaft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Darum\nm\u00fcssen alle Banken verstaatlicht und unter demokratische Kontrolle\ngestellt werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Schluss mit Spekulation und Casino, Schluss mit Erpressung!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden euer Kartenhaus zerschlagen, und auf seinen Tr\u00fcmmern eine neue Gesellschaft aufbauen!<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"bernhard\">Claudia Bernhard: Revolution, Frauenwahlrecht, Feminismus<\/h2>\n\n\n\n<p>\nLiebe\nFreundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Genossinnen und\nGenossen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute\nvor 100 Jahren<\/strong>,\nam 15.November 1918, um 11 Uhr vormittags, wurde hier an dieser\nStelle in Bremen die Revolution ausgerufen. Auf dem Platz hier hatten\nsich Tausende versammelt, die Garnisonskapelle spielte. Die\nMitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates traten auf den Balkon des\nRathauses. <strong>Alfred\nHenke<\/strong>,\nVorsitzender des Aktionsausschusses, verk\u00fcndete: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer\nArbeiter- und Soldatenrat hat die Aus\u00fcbung der politischen Gewalt im\nBremer Staatsgebiet \u00fcbernommen. Senat und B\u00fcrgerschaft bestehen\nnicht mehr. (\u2026) Damit nun bekannt werde, welcher Geist der\nobwaltende ist, wird auf diesem Hause die <strong>rote\nFahne<\/strong>\ngehisst. (\u2026) Die proletarische Internationale lebe hoch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hier,\nund das m\u00fcssen wir uns bewusst machen, an diesem Ort war der\nSchauplatz dieses historisch bedeutsamen Ereignisses.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals,\nvor 100 Jahren, fand in Bremen und in ganz Deutschland eine\n<strong>Revolution<\/strong>\nstatt. Und wir sind heute hier, weil wir sagen: Das war richtig. Das\nwar gut so. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nRevolution von 1918 war eine notwendige und eine <strong>erfolgreiche<\/strong>\nRevolution, und ihre Form war die \u00dcbernahme der politischen Gewalt\ndurch die R\u00e4te. Durch die Revolution im November 1918 wurde der\nKrieg beendet. Kaiser und F\u00fcrsten wurden abgesetzt. Die Monarchie\nwurde beendet. Die undemokratisch gew\u00e4hlten Parlamente wurden\naufgel\u00f6st. Gewerkschaften, Betriebsr\u00e4te und soziale Rechte wurden\nanerkannt. Und die Frauen erhielten das Wahlrecht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\n<strong>Frauenwahlrecht<\/strong>\naber begann nicht mit dem 12.November, als der Rat der\nVolksbeauftragten in Berlin es erlie\u00df. Es begann sofort mit der\nRevolution. In allen Betrieben w\u00e4hlten bei der Wahl der Arbeiterr\u00e4te\ndie Frauen wie selbstverst\u00e4ndlich mit. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nBremen geschah das zum ersten Mal am 7.November. Die Frauen haben\nsich das Wahlrecht damals <strong>genommen<\/strong>.\nEs war Teil der Revolution, und es w\u00e4re ohne die Revolution nicht\ndurchgesetzt worden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nVerh\u00e4ltnis von Frauenemanzipation und Revolution war allerdings\nschwierig. Die Frauen w\u00e4hlten zwar, aber in den Arbeiterr\u00e4ten waren\nsie kaum vertreten. In Bremen waren von den 180 Mitgliedern des\nArbeiterrates <strong>3\nFrauen<\/strong>.\nIn den Aussch\u00fcssen waren sie gar nicht vertreten. Das war in den\nanderen St\u00e4dten genauso. Obwohl die Frauen ma\u00dfgeblich an der\nRevolution beteiligt waren, obwohl sie bereits w\u00e4hrend des Krieges\ndie Hungerdemonstrationen organisiert hatten, obwohl sie in Bremen\nauch organisiert waren, wurden sie von den Organen der Revolution\nweitgehend ausgeschlossen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nw\u00e4re vielleicht manches <strong>anders\ngelaufen<\/strong>,\nwenn man diesen Fehler nicht gemacht h\u00e4tte. Denn die Sozialistinnen\nund Feministinnen hatten auf vieles einen sehr klaren Blick. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Toni\nSender<\/strong>,\nUSPD, Generalsekret\u00e4rin des Frankfurter Arbeiterrates, hielt 1919\nein Referat \u00fcber \u201e<strong>Die\nFrauen und das R\u00e4tesystem<\/strong>\u201c.\nDarin kritisiert sie den weitgehenden Ausschluss der Frauen gerade\naus den Vollzugsaussch\u00fcssen. Sie fordert eine Quotierung der\nArbeiterr\u00e4te und die Einbeziehung der Heimarbeiterinnen,\nHausangestellten und proletarischen Hausfrauen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Toni\nSender \u00e4u\u00dfert sich in ihrem Referat aber auch zur <strong>allgemeinen\nEntwicklung<\/strong>\nder Revolution. In einer Weise, die ich f\u00fcr heute h\u00f6chst aktuell\nfinde. Nat\u00fcrlich, sagt sie, ist die Revolution behindert worden von\ndenen, die nur deshalb an ihre Spitze wollten, um sie zu verhindern.\nSprich: Die F\u00fchrung der MSPD. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\ndann stellt sie fest: \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eEs\ngen\u00fcgt wahrlich nicht, Genossinnen und Genossen, <strong>nur\ndie F\u00fchrer<\/strong>\nf\u00fcr die Entwicklung, die die deutsche Revolution genommen hat,\nverantwortlich machen zu wollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nR\u00e4te h\u00e4tten zumeist kaum gewusst, was sie eigentlich tun sollten.\nDie ganze Arbeiterbewegung sei auf den revolution\u00e4ren Moment <strong>nicht\nvorbereitet<\/strong>\ngewesen. Wie der soziale Umsturz \u201ein der Praxis zu verwirklichen\nw\u00e4re, dar\u00fcber hatte man sich nicht im Einzelnen den Kopf\nzerbrochen!\u201c Und anstatt sich innerhalb der Linken zu einigen,\nh\u00e4tte man sich lieber mit den Kr\u00e4ften geeinigt, die alles beim\nAlten lassen wollten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nglaube, man kann ohne \u00dcbertreibung sagen: Da sind wir <strong>heute<\/strong>\nnicht so richtig weiter. Wenn nur die <strong>H\u00e4lfte<\/strong>\nder Energie, mit der Linke sich gegenseitig das Leben schwer machen,\ndarauf verwendet w\u00fcrde, gemeinsam die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern,\nw\u00e4ren die gesellschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse weniger tr\u00fcbe,\nals sie es heute sind. Wenn nur die H\u00e4lfte der Begeisterung, mit der\nman sich gegenseitig alte und neue Fehler vorwirft, f\u00fcr die\ngemeinsame Kl\u00e4rung eingesetzt w\u00fcrde, was man eigentlich als\nN\u00e4chstes will, dann w\u00e4re die Linke mit Sicherheit ein attraktiverer\nOrt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Alle\n<strong>Feministinnen<\/strong>\nhaben, wenn sie ehrlich sind, ein zwiesp\u00e4ltiges Verh\u00e4ltnis zur\nRevolution. Sie wissen, dass die Forderungen der Frauen h\u00e4ufig als\nerste \u00fcber Bord gehen. Sie wissen um die Risiken und darum, dass\ndiese Risiken vor allem von Frauen getragen werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Revolution<\/strong>\nwird in der allgemeinen Vorstellung nach wie vor mit \u201eGewalt\u201c und\n\u201eChaos\u201c verbunden \u2013 und dass die Linke kaum etwas daf\u00fcr getan\nhat, diesem Bild etwas entgegenzusetzen. Wenn Feministinnen von einer\n\u201e<strong>feministischen\nRevolution<\/strong>\u201c\nsprechen, stellen sie sich etwas anderes vor, als Linke, wenn sie an\nRevolution denken. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nn\u00e4chste Revolution wird aber immer anders aussehen als die letzte.\nTrotzdem muss man sich dar\u00fcber Gedanken machen, wie damit umzugehen\nist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nGedanke der radikalen Ver\u00e4nderung, das revolution\u00e4re Prinzip, sich\nan alte Regeln einfach nicht mehr zu halten und neue zu formulieren:\nDas hat sich <strong>nicht\nerledigt<\/strong>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit,\nund auch hier. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nhaben auch heute kein allgemeines Wahlrecht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen\nsind nicht gleichberechtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Multinationale\nKonzerne haben sich heute weit in die Zukunft reichende\nEigentumsrechte an allem und jedem gesichert, bis hin zum Recht, dass\nRegeln nicht zu ihren Ungunsten ver\u00e4ndert werden d\u00fcrfen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\naktuelle System vernichtet unsere Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt keine tats\u00e4chliche und faire Teilhabe aller am Reichtum und an\nden Entscheidungen der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nwird nur gehen, wenn <strong>Linke\nund Feministinnen<\/strong>\nlernen, gemeinsam zu handeln. Die Revolutionen in \u00c4gypten, in der\nElfenbeink\u00fcste und vielen anderen Orten 2011 wurden von Frauen\nausgel\u00f6st. Die Wut der neuen Rechten \u00fcber alles, was sich seit 1968\nin der Gesellschaft ver\u00e4ndert hat, ist auch eine <strong>antifeministische\nKonterrevolution<\/strong>.\nUnd es sind vor allem Frauen, die ihr entgegentreten.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Alle\nBerichte \u00fcber den <strong>November\n1918<\/strong>\nsind sich einig, wie viel Hoffnung, wie viel Erleichterung die\nRevolution damals zun\u00e4chst verbreitete. Wie viel Begeisterung es\nausl\u00f6ste, dass man alte Regeln einfach beiseiteschieben konnte. Die\nEntt\u00e4uschungen kamen sp\u00e4ter. Aber auf den Entt\u00e4uschungen k\u00f6nnen\nwir nicht aufbauen. Wir stehen heute hier, weil wir an den Ort dieser\nHoffnung zur\u00fcckkehren: Der Hoffnung auf eine radikale soziale und\nfeministische Ver\u00e4nderung. Diese Hoffnung ist aktuell, und sie ist\ngenauso berechtigt, wie vor 100 Jahren. Das ist die Botschaft dieser\nKundgebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nin diesem Sinne: Es lebe die Revolution!<\/p>\n\n\n\n<p>Claudia\nBernhard<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"schneider\">Ulrich Schneider: Bremer R\u00e4terepublik, Novemberrevolution in Deutschland und ihr Platz in der internationalen Entwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die\nBremer R\u00e4terepublik \u2013 auch wenn es ein regionales Ereignis war \u2013\nwar Teil der revolution\u00e4ren Krise der europ\u00e4ischen\nHegemonialstaaten und verschiedener durch den Krieg betroffenen\nL\u00e4nder war. Auch wenn ihr vollkommen zurecht euch mit den lokalen\nBez\u00fcgen besch\u00e4ftigt, an die bremischen Akteure und die\nNiederschlagung der Revolution erinnert, m\u00f6chte ich heute den Blick\n\u00fcber die regionalen Grenzen richten und schauen, in wie weit diese\npolitische Bewegung Entsprechungen auch international hatte. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nEntwicklung revolution\u00e4rer Bewegungen: <\/strong>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nKriegssituation beeinflusste in allen L\u00e4ndern die politische Lage,\nselbst wenn gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung nicht von Kriegshandlungen\nselber betroffen waren. Denn dieser Krieg wurde in allen beteiligten\nStaaten zulasten der arbeitenden Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt: \n<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Arbeiter\n\twurden in den Kriegsdienst mobilisiert\n\t<\/li><li>Arbeitsbedingungen\n\twurden unter den \u201eKriegsnotwendigkeiten\u201c verschlechtert\n\t\u2013Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeiten, Streikverbot, Militarisierung\n\tder Arbeitswelt, Frauen als \u201eBilligl\u00f6hner\u201c (Konkurrenz) etc. \n\t\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die\nKriegsbegeisterung \u2013 selbst in Teilen der Arbeiterschaft, in\nDeutschland gef\u00f6rdert durch die sozialdemokratische\nBurgfriedenpolitik und die damit verbundene nationalistische\nPropaganda, aber auch in anderen L\u00e4ndern nationalistisch aufgeladen\n\u2013 endete bereits nach dem ersten Kriegsjahr, als jegliche\n\u201eBlitzkriegs\u201c-Euphorie verflogen war. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFolgen f\u00fcr die <strong>Arbeiterbewegung<\/strong>\nwaren massive Debatten in den Parteien und letztlich die Abspaltung\nder Kr\u00e4fte, die sich gegen Krieg und Unterst\u00fctzung der nationalen\nKriegspolitik wehrten. Bekannteste Beispiele daf\u00fcr sind in\nDeutschland die Verweigerung der Zustimmung zu den Kriegskrediten\ndurch Karl Liebknecht und sp\u00e4ter weiterer Mitglieder der\nSPD-Fraktion, die den Kern der sp\u00e4teren USPD bildeten. In Russland\nprofilierten sich die Bolschewiki durch ihre klare\nAntikriegs-Haltung. Insbesondere in Petersburg und anderen\nindustriellen Zentren wuchs ihr Einfluss unter der arbeitenden\nBev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Menschewiki und den Sozialrevolution\u00e4ren.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Verbunden\nmit der wachsenden Antikriegsstimmung gelang im Fr\u00fchjahr 1917 in\n<strong>Russland<\/strong>\nmit der Februar-Revolution der Sturz der Zarenherrschaft. Das war ein\nwichtiger Schritt, aber die Losung der Massen lautete dar\u00fcber hinaus\n\u201eFrieden \u2013 Arbeit \u2013 Brot\u201c. Als die Regierung unter Kerenski \u2013\ntrotz der milit\u00e4rischen Lage \u2013 eine Fortf\u00fchrung des Krieges\npropagierte, ergriffen die Bolschewiki unter den Losungen \u201eFrieden\u201c\nund \u201eAlle Macht den R\u00e4ten\u201c die Initiative und erm\u00f6glichten den\nErfolg der Oktoberrevolution 1917. Denn es war nicht zuerst die Frage\nder politischen Macht, sondern die Friedensfrage, die die Massen\nbewegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Konsequenterweise\nlautete auch der erste Beschluss der Sowjetmacht \u201eDekret \u00fcber den\nFrieden\u201c. Das R\u00e4tesystem (Alle Macht den R\u00e4ten) als Form der\ndirekten Demokratie der Arbeiter und Bauern bildete die politische\nGrundlage und wurde zur Losung, die von Russland ausgehend Vorbild\nf\u00fcr alle revolution\u00e4re Bewegungen in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern\nausstrahlte. Und diese Unterst\u00fctzung der revolution\u00e4ren Erhebung in\nRussland war n\u00f6tig, wie Lenin schon 1918 erkl\u00e4rte: \u201eEs kann kein\nZweifel daran bestehen, dass der Endsieg unserer Revolution eine\nhoffnungslose Sache w\u00e4re, wenn sie allein bliebe, wenn es in den\nanderen L\u00e4ndern keine revolution\u00e4re Bewegung g\u00e4be. (\u2026) Unsere\nRettung aus all diesen Schwierigkeiten ist, wie gesagt, die\nRevolution in ganz Europa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFriedensfrage und mit ihr die Sicherstellung der Versorgung war auch\nKernpunkt der Arbeiterbewegung in Westeuropa. \u201eFrieden und Brot\u201c\nlautete die Losung beim Streik der R\u00fcstungsarbeiter im Fr\u00fchjahr\n1918 in <strong>Bremen<\/strong>.\nSchon 1916 und 1917 hatte es in der Stadt Hungerdemonstrationen\ngegeben. Insbesondere die Kollegen der AG Weser, von Hansa-Lloyd und\nder Hansa-Werke, die f\u00fcr die Kriegswirtschaft unabdingbar waren,\nwaren im letzten Kriegsjahr nicht mehr bereit, die Verschlechterung\nder Arbeitsbedingungen und der Versorgungslage zu akzeptieren. Ihnen\nwar klar, dass sie mit der Verweigerung ihrer Arbeitskraft die\nKriegspolitik behindern konnten und damit ein deutliches Druckmittel\ngegen\u00fcber den \u00f6konomisch und politisch M\u00e4chtigen hatten. Doch die\nabwiegelnde Haltung der MSPD und der Gewerkschaften erreichte, dass\naus diesem Streik keine politische Bewegung zur Beendigung des\nKrieges wurde. Deren Funktion\u00e4re leisteten auch keinen Widerstand,\nals die politische Polizei mit der Verfolgung der \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c\nund anderer Streikenden diese Bewegung unterdr\u00fcckten. Zur Beruhigung\nder R\u00fcstungsarbeiter im ganzen deutschen Reich waren die Vertreter\nder wilhelminischen Herrschaft bereit, kleinere Zugest\u00e4ndnisse und\neine bescheidene Machtbeteiligung von Repr\u00e4sentanten der\nMehrheitssozialdemokraten, wie Philipp Scheidemann und Gustav Bauer,\nzuzugestehen. F\u00fcr einen revolution\u00e4ren Umschwung und eine\ntats\u00e4chliche Beendigung des Krieges w\u00e4re auch in Deutschland eine\nbreitere Massenbewegung \u2013 unter Einbeziehung der Arbeiter in\nUniform, der Soldaten und Matrosen \u2013 notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich\nwie in Deutschland sahen sich zu dieser Zeit fast alle europ\u00e4ischen\nKriegsparteien mit massenhaften Protesten, Streiks und\nDemonstrationen konfrontiert. Selbst in <strong>Frankreich<\/strong>\ndemonstrierten Arbeiter \u2013 angesichts der Verl\u00e4ngerung des\nStellungskrieges \u2013 schon 1917 gegen die Fortsetzung des Krieges.\nDer Inlandsgeheimdienst \u201eSuret\u00e9 g\u00e9n\u00e9rale\u201c konstatierte eine\nZunahme pazifistischer Tendenzen unter Gewerkschaftern, Sozialisten,\nAnarchisten, Lehrern und \u201eIntellektuellen\u201c und nach Paris\ngefl\u00fcchteten russischen Revolution\u00e4ren. Zwar schlug diese Stimmung\nnoch nicht in politische Aktionen um, man empfahl der Regierung\njedoch sofort Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen zu ergreifen und den Druck\n\u201epazifistischer Flugbl\u00e4tter\u201c zu verbieten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\n<strong>\u00d6sterreich-Ungarn<\/strong>\nwurde die Entwicklung Ende 1918 vor allem durch das Auseinanderfallen\nder ehemaligen Doppelmonarchie in Nationalstaaten gepr\u00e4gt. Alle\nVersuche von Kaiser Karl I mit Zugest\u00e4ndnissen an die nationale\nAutonomie die Entwicklung abzuwenden, waren vergeblich. Die\npolitische Unzufriedenheit \u00fcber den Kriegsverlauf, die politische\nund milit\u00e4rische Schw\u00e4che der Herrschenden und ein zunehmender\nNationalismus in den Regionen verbanden sich zu einem Konglomerat,\ndas zu einem Zerfall des Staates f\u00fchrte. Am 24. Oktober erkl\u00e4rte\nsich Ungarn, am 28. Oktober die Tschechoslowakei, am 29. Oktober das\nK\u00f6nigreich der Serben, Kroaten und Slowenen (sp\u00e4ter Jugoslawien)\nf\u00fcr unabh\u00e4ngig. \n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\ndie deutschsprachigen Gebiete der Monarchie konstituierte sich am 21.\nOktober 1918 in Wien eine provisorische Nationalversammlung, die eine\nprovisorische Verfassung beschloss und eine provisorische Regierung\nunter Karl Renner einsetzte, die am 31. Oktober von der kaiserlichen\nRegierung die politische Gewalt \u00fcbernahm. Die k. und k. Armee l\u00f6ste\nsich nach dem am 3. November geschlossenen Waffenstillstand auf. Am\n11. November 1918 trat Kaiser Karl I. zur\u00fcck, am n\u00e4chsten Tag wurde\nim Parlament die Republik Deutsch-\u00d6sterreich ausgerufen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Anders\nals in Berlin oder hier in Bremen war die revolution\u00e4re Bewegung in\n\u00d6sterreich jedoch so schwach, dass ein Versuch der Roten Garden,\neine Arbeiterregierung durchzusetzen, erfolglos blieb. Erst in der\nzweiten Phase der revolution\u00e4ren Bewegung von Februar bis Juli 1919,\ndie man auch als \u201esozialrevolution\u00e4re Periode\u201c bezeichnet,\ngelang es den linken Kr\u00e4ften, durch Streiks und andere Arbeitsk\u00e4mpfe\nsozialpolitische Verbesserungen durchzusetzen. Dennoch spricht man\nauch im Falle \u00d6sterreichs von einer Revolution, gelang mit ihr doch\nein grunds\u00e4tzlicher Systemwechsel aus dem Vakuum, das durch den\nZerfall der Monarchie eingetreten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\ngr\u00f6\u00dferer gesellschaftlicher Beteiligung vollzog sich die\nrevolution\u00e4re Umw\u00e4lzung in <strong>Ungarn<\/strong>.\nIm Oktober 1918 wurde das Land selbstst\u00e4ndig, der Krieg beendet und\ndie Monarchie beseitigt. Das ungarische Volk hatte demokratische\nRechte und Freiheiten und seine nationale Unabh\u00e4ngigkeit erk\u00e4mpft\nund eine b\u00fcrgerlich-sozialdemokratische Koalitionsregierung unter\ndem \u201eroten Graf\u201c Mih\u00e1ly K\u00e1rolyi \u00fcbernahm die politische\nVerantwortung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\ndem Eindruck der siegreichen Oktoberrevolution in Russland und der\nNovemberrevolution in Deutschland verst\u00e4rkten sich auch in Ungarn\ndie revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte der Volksbewegung, die sich nicht mit\neinem einfachen Wechsel der Regierungsform zufrieden geben wollten,\nsondern reale Ver\u00e4nderungen \u2013 darunter auch Vergesellschaftung von\nKonzernen und Banken \u2013 forderten. Da Graf K\u00e1rolyi zu solchen\ngrundlegenden Ver\u00e4nderungen nicht bereit war, trat die\nKoalitionsregierung unter dem Druck einer Volksbewegung am 21. M\u00e4rz\n1919 zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Und\nhier passierte etwas, was in der <strong>Bremer<\/strong>\nR\u00e4terepublik nur in Ans\u00e4tzen gelang und dessen Fehlen in Berlin zur\nNiederlage der Novemberrevolution beigetragen hat. Die F\u00fchrer der\nungarischen Arbeiterparteien vereinbarten, die sozialdemokratische\nund kommunistische Partei zu vereinigen und gemeinsam die Staatsmacht\nzu \u00fcbernehmen. So entstand auf der Grundlage eines revolution\u00e4ren\nParteiprogramms die Sozialistische Partei Ungarns. Noch am 21. M\u00e4rz\n1919 wurde die Ungarische R\u00e4terepublik proklamiert. Im ganzen Land\nerrichteten Arbeiter, Soldaten und Landarbeiter R\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n<p>Gest\u00fctzt\nauf diese R\u00e4te nahm der Revolution\u00e4re Regierungsrat mit Bela Kun an\nder Spitze umfassende soziale Umgestaltungen in Angriff. Man\narbeitete an der Vergesellschaftung der gro\u00dfen und mittleren\nBetriebe, der Gruben und Banken, der gro\u00dfen und mittleren G\u00fcter; an\nder Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, der\nEinf\u00fchrung des Achtstundentages und des Prinzips des gleichen Lohns\nf\u00fcr gleiche Arbeit, der Erweiterung der Sozialf\u00fcrsorge und der\nBrechung des b\u00fcrgerlichen Bildungsprivilegs. Zur Sicherung dieser\nrevolution\u00e4ren Errungenschaften wurde mit dem Aufbau einer Roten\nArmee begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konterrevolution\u00e4re\nAngriffe auf die revolution\u00e4ren Bewegungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es\nkann niemanden verwundern, dass eine solche revolution\u00e4re\nEntwicklung von den alten M\u00e4chten und selbst von den Staaten der\nEntende und ihren Verb\u00fcndeten als Bedrohung angesehen wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Und\ndie Antwort der alten adeligen M\u00e4chte, des kaiserlichen Milit\u00e4rs\nund der Vertreter der Unternehmen, Banken und Gro\u00dfgrundbesitzer war\nin allen L\u00e4ndern vergleichbar. Dort, wo sie noch \u00fcber die\nbewaffneten Machtmittel verf\u00fcgten, wurden sie in aller Brutalit\u00e4t\nzur Niederschlagung der revolution\u00e4ren Bewegungen eingesetzt. In\nRussland tobte von 1918 bis 1921 ein blutiger B\u00fcrgerkrieg, bei dem\ndie russischen Wei\u00dfgardisten von England und Frankreich milit\u00e4risch\ngegen die Sowjetmacht unterst\u00fctzt wurden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nDeutschland d\u00fcrften die meisten die Berichte \u00fcber die Januar-K\u00e4mpfe\nin Berlin kennen, bei denen Freikorps aus den Reihen der\nGarde-Kavallerie-Sch\u00fctzen-Division unter Generalstabsoffizier\nWaldemar Pabst am 14. Januar 1919 Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg\nermordeten. Bei den M\u00e4rz-K\u00e4mpfen von 1919 \u2013 und ich spreche noch\nnicht vom Kapp-Putsch 1920, bei dem Waldemar Pabst ebenfalls die\nneugegr\u00fcndete Republik bek\u00e4mpfte \u2013 wurden in Berlin \u00fcber 1.200\nrevolution\u00e4re Arbeiter und Soldaten ermordet. Diesmal waren auch\nregul\u00e4re Truppenteile der kaiserlichen Armee beteiligt. Das W\u00fcten\ndieser Einheiten geschah \u00fcbrigens mit Zustimmung der\nReichsregierung, die mit dem Ebert-Groener-Abkommen der\nKonterrevolution faktisch einen Freibrief f\u00fcr alle Verbrechen\nausgestellt hatte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches\nmusste auch die am 10. Januar 1919 ausgerufene <strong>Bremer\nR\u00e4terepublik<\/strong>\nerleben. Bekannterma\u00dfen standen im Zentrum der Forderungen die\n\u00dcbernahme der Staatsmacht und der Aufbau bewaffneter\nArbeitermilizen. Sozialpolitische Forderungen wurden zwar\nthematisiert, es gab jedoch keine Ma\u00dfnahmen zur Einschr\u00e4nkung der\nBanken oder der Freiheit der Unternehmen. Dennoch musste man sich von\nAnfang an milit\u00e4rischer Angriffe erwehren. Nachdem es in den ersten\nWochen noch gelungen war, die konterrevolution\u00e4ren Milit\u00e4reinheiten\nzu entwaffnen, mussten sich die Arbeitermilizen der \u00dcbermacht von\n3.000 Soldaten der Division Gerstenberg und des Freikorps Caspari\ngeschlagen geben. Sie wurde am 4. Februar 1919 in Bremen und am 8.\/9.\nFebruar 1919 in Bremerhaven blutig niedergeschlagen. Allj\u00e4hrlich\ngedenkt ihr auf dem Waller Friedhof der Ermordeten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nder Kampf gegen die revolution\u00e4re Entwicklung in <strong>Bayern<\/strong>\nbegann Ende Februar 1919 mit dem Mord an dem Bayerischen\nMinisterpr\u00e4sident Kurt Eisner (USPD). Nach massiven\nAuseinandersetzung innerhalb der Arbeiterparteien \u00fcbernahmen die\nlinksradikalen Kr\u00e4fte die Regierung und proklamierten Anfang April\ndie Bayerische R\u00e4terepublik. Sie blickten mit Hoffnung auf die\nungarische R\u00e4terepublik und sahen darin ein gewisses Vorbild. Doch\nes blieb ihnen keine Zeit, ein politisches Programm umzusetzen, da\nsie sich von Anfang an gegen milit\u00e4rische Angriffe von Freikorps und\nEinheiten der regul\u00e4ren Armee wehren musste. Am 2. Mai 1919 unterlag\ndie R\u00e4terepublik endg\u00fcltig der milit\u00e4rischen \u00dcbermacht. Ihre\nf\u00fchrenden Protagonisten sowie mehr als 2000 \u2013 auch vermeintliche \u2013\nAnh\u00e4nger der R\u00e4terepublik wurden in den nachfolgenden Tagen und\nWochen ermordet, von Standgerichten zum Tode oder zu langen\nHaftstrafen verurteilt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Den\nmilit\u00e4rischen Angriffen auf die Ungarische R\u00e4terepublik waren auch\ndie Revolution\u00e4re in Budapest nicht gewachsen. Sie mussten sich den\nHeeren der ausl\u00e4ndischen Interventen und der Konterrevolution\ngeschlagen geben. Am 1. August 1919 trat die R\u00e4teregierung zur\u00fcck.\nSelbst die dann folgende \u00dcbergangsregierung wurde von der\nKonterrevolution am 6. August 1919 gest\u00fcrzt. Und nun entfaltete man\nunter dem Schutz der rum\u00e4nischen Okkupanten und der Entente-M\u00e4chte\neinen z\u00fcgellosen Terror gegen die K\u00e4mpfer der R\u00e4terepublik. Die\nBilanz des \u201ewei\u00dfen Massenterrors\u201c waren etwa 5.000 Ermordete,\n70.000 Eingekerkerte und 100.000 aus dem Land vertriebene politische\nAktivisten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ungeachtet\nsolcher blutigen R\u00fcckschl\u00e4ge gab es in Deutschland und in anderen\neurop\u00e4ischen L\u00e4ndern bis Ende 1920 weiterhin revolution\u00e4re\nBewegungen, die sozialpolitische Ver\u00e4nderungen einforderten und in\nverschiedenen Formen die Machtfrage stellten. In <strong>Deutschland<\/strong>\nsollte man an die Arbeiterregierungen von Sozialdemokraten und\nKommunisten in Th\u00fcringen und Sachsen erinnern, die von der ebenfalls\nsozialdemokratisch gepr\u00e4gten Reichsregierung mit milit\u00e4rischen\nMitteln beseitigt wurden, sowie die K\u00e4mpfe der Roten Ruhrarmee. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\n<strong>Italien<\/strong>\nbeispielsweise gingen die Jahre 1919 und 1920 als <strong>\u201eBiennio\nrosso\u201c,<\/strong> die \u201ezwei\nRoten Jahren\u201c in die Geschichte ein. Es waren Jahre der\nArbeiterk\u00e4mpfe, bei denen es zwar nicht um die politische Macht\nging, bei denen aber durch Massenstreiks und zahlreiche\nBetriebsbesetzungen das \u00f6konomische Herrschaftssystem in Frage\ngestellt wurde. Die Arbeiter besetzten nicht nur die Betriebe, sie\n\u00fcbernahmen selbst die Verwaltung und bildeten Fabrikkomitees. In\ndieser Bewegung, die zeitweilig Betriebe mit 500.000 Besch\u00e4ftigten\nin Norditalien umfasste und in der die Produzenten selber die\nVerantwortung \u00fcbernahmen, sah Antonio Gramsci die Keimzelle einer\nzuk\u00fcnftigen kommunistischen Gesellschaft. Er war der \u00dcberzeugung,\ndass \u201eentweder die Eroberung der politischen Macht durch das\nrevolution\u00e4re Proletariat folge, oder eine furchtbare Reaktion durch\ndie besitzende Klasse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und\ntats\u00e4chlich kam es so. Das Scheitern des Generalstreiks im M\u00e4rz\n1921, das auf das Eingreifen der \u201eFasci di combattimento\u201c\nMussolinis zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, leitete die Wende zum \u201e<strong>Biennio\nnero\u201c<\/strong>, den beiden\n\u201eSchwarzen Jahren\u201c ein, w\u00e4hrend der die \u201eSchwarzhemden\u201c der\nFaschisten dominierten und schlie\u00dflich unter Mussolini die Macht\n\u00fcbernahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen,\ndie die Welt in diesen Krieg gest\u00fcrzt hatten, hatten eine Zeitlang\num ihre Macht gebangt. So notierte der britische Premierminister\nLloyd George im M\u00e4rz 1919 besorgt: \u201eGanz Europa ist vom Geist der\nRevolution erf\u00fcllt. Die Arbeiter sind nicht nur von einem tiefen\nGef\u00fchl der Unzufriedenheit mit den Lebensbedingungen, wie sie vor\ndem Krieg bestanden, ergriffen, sondern von Groll und Emp\u00f6rung. Die\nganze bestehende soziale, politische und wirtschaftliche Ordnung wird\nvon der Masse der Bev\u00f6lkerung von einem Ende Europas zum anderen in\nFrage gestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Solche\nrevolution\u00e4ren Umw\u00e4lzungen wurden durch ein B\u00fcndnis der\nreaktion\u00e4rsten Kreise des Milit\u00e4rs, der Unternehmen und Banken, der\nJunker und der alten Politiker-Kaste verhindert. Als Instrument der\nMachtsicherung entstanden faschistische Bewegungen, die \u2013 wie in\nItalien \u2013 sich als Stra\u00dfenkampftruppen einbrachten, oder \u2013 wie\nin Deutschland \u2013Freikorps, die mit milit\u00e4rischen Mitteln in\nOstelbien, in Berlin und in anderen Teilen der neuen Republik die\nVerantwortung f\u00fcr die Verbrechen \u00fcbernahmen. Erst nach dem\nScheitern des Kapp-Putsches im M\u00e4rz 1920 entstand auch in\nDeutschland jene faschistische Bewegung, die am 9. November 1923 beim\nHitler-Ludendorff-Putsch zum ersten Mal selber Machtanspr\u00fcche erhob.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich\nerwies sich die faschistische Bewegung bereits in dieser Phase der\nrevolution\u00e4ren Nachkriegskrise als ein m\u00f6glicher Ausweg der\nHerrschenden. In aller Brutalit\u00e4t wurde das nicht nur durch die\nMachteinsetzung Mussolinis in Italien, sondern auch durch die\nreaktion\u00e4r-monarchistisch Niederschlagung der linken Bauernbewegung\nin Bulgarien im September 1923 sichtbar. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nNiederschlagung der Novemberrevolution in Deutschland und der\nrevolution\u00e4ren Bestrebungen in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern war\nnicht nur die Sicherung b\u00fcrgerlich demokratischer\nHerrschaftsverh\u00e4ltnisse, sondern auch der Vorbote einer drohenden\nfaschistischen Herrschaft, die die reaktion\u00e4rsten Teile der\nHerrschenden zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter als ihren Ausweg aus der Krise auf\nden Weg brachten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nm\u00f6chte zum Abschluss in drei Gedanken Lehren aus der Geschichte der\nNovemberrevolution formulieren: \n<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Es\tbedarf f\u00fcr eine gesellschaftsver\u00e4ndernde Politik die unmittelbare\tVerbindung von politischer Macht <strong>und<\/strong>\tsozialpolitischen Verbesserungen, wie es in der ungarischen\tR\u00e4terepublik sichtbar wurde. Der <strong>Kampf\tum die Staatsmacht<\/strong>\tist nur dann wichtig, wenn damit konkrete Verbesserungen f\u00fcr die\tarbeitenden Menschen verbunden waren. Das Streben nach\tRegierungsbeteiligung zur Exekution von sozialem Abbau ist ebenso\tabzulehnen wie die Verweigerung von Koalitionen mit der Behauptung,\tder Staatsapparat sei doch nur ein b\u00fcrgerliches\tHerrschaftsinstrument. Und es geht nicht nur um die Macht im Staate, sondern es muss \u2013 wie es die italienische Arbeiterbewegung exemplarisch zeigte \u2013 auch die <strong>Macht in den Betrieben<\/strong> erobert werden.<\/li><li>Sicherlich war und ist die ideologische Auseinandersetzung innerhalb der Arbeiterbewegung, ihrer Parteien und Organisationen \u00fcber den politischen Weg zu einer gerechteren Gesellschaft notwendig. Aber die Durchsetzung von Zielen, die auch die Grundfesten kapitalistischer Ordnung in Frage stellen, ist nur mit der geeinten Arbeiterbewegung m\u00f6glich. Wer also f\u00fcr tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderungen eintritt, muss sich auch f\u00fcr die <strong>Einheit der Arbeiterbewegung<\/strong> einsetzen.<\/li><li>Die reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte, die alten M\u00e4chte, die \u00f6konomisch M\u00e4chtigen und die Vertreter des Militarismus sind f\u00fcr ihren Machterhalt bereit, auch mit brutalsten Gewaltmitteln vorzugehen. Ihnen effektiv entgegenzutreten geht nur auf der Basis breitester gesellschaftlicher B\u00fcndnisse. Das Scheitern des Kapp-Putsches 1920 in Berlin war nicht das Resultat von Parlamentsentscheidungen, sondern das Ergebnis des Generalstreiks der einheitlich handelnden Arbeiterbewegung gemeinsam mit liberalen Kr\u00e4ften der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Um wieviel mehr sind solche <strong>breiten B\u00fcndnisse<\/strong> n\u00f6tig, wenn es um die Verteidigung der grundlegenden demokratischen Rechte und Freiheiten geht, wenn die politisch M\u00e4chtigen glauben, einen faschistischen Ausweg aus der Krise suchen zu m\u00fcssen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>In\ndiesem Sinne ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte auch der\nBremer R\u00e4terepublik und ihrer Niederschlagung eine Lehre f\u00fcr heute,\nwenn es darum geht, politische Optionen der Herrschenden f\u00fcr einen\nrechten Ausweg aus der Krise zu verhindern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Dr. Ulrich\nSchneider, Generalsekret\u00e4r der Internationalen F\u00f6deration der\nWiderstandsk\u00e4mpfer (FIR) \u2013 Bund der Antifaschisten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerd-Rolf Rosenberger, DKP, Nordbremer B\u00fcrger gegen den Krieg Maja Tegeler, DIE LINKE, Bremer Volksbegehren f\u00fcr mehr Krankenhauspersonal Sebastian Rave, DIE LINKE, SAV Claudia Bernhard, B\u00fcrgerschaftsfraktion DIE LINKE Dr. Ulrich Schneider, Generalsekret\u00e4r der F\u00e9d\u00e9ration Internationale des R\u00e9sistants (Internationale F\u00f6deration der Widerstandsk\u00e4mpfer) Gerd Rolf Rosenberger: Verflucht sei der Krieg! 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